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Das neue Jahr ist noch jung und es besteht Grund zur Hoffnung, dass es dieses Jahr endlich etwas wird mit unserem Traum vom leichten Leben. Den Sommerurlaub buchen und keinen Gedanken daran verschwenden, ob der überhaupt stattfindet. Zum runden Geburtstag einladen ohne anschließend wieder alle Gäste auszuladen. Ein Shopping-Erlebnis, bei dem man nicht unter Generalverdacht Zertifikat und Ausweis vorzeigen muss. Aber auch abgesehen von diesen lässlichen Sorgen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Leben sehr viel leichter sein könnte: Einfach mal ein Jahr ohne gesundheitliche Probleme, ohne Schmerzen und ohne Krankheit – das wäre doch mal ein Traum, oder nicht? Im Geschäft kündigt der Kollege ganz überraschend und die Arbeit macht endlich wieder Spaß. Wieder daheim, ruft ein wie verwandelter Partner gutgelaunt von weitem: „Hallo Schatz, wie war dein Tag? Dein Lieblingsessen steht schon auf dem Tisch!“
Ich finde, es ist an der Zeit, dass unser Traum vom leichten Leben langsam mal in Erfüllung geht!

„Ich bin dein Mensch“. So heißt ein deutscher Spielfilm, der letztes Jahr in die Kinos gekommen ist und sogar Chancen auf einen Oscar in diesem Jahr hat. Der Stoff handelt von einer Wissenschaftlerin, die einen humanoiden Roboter als Partner testen soll. Die alles entscheidende Frage lautet: Wäre ein perfekter Roboter eigentlich der perfekte Partner? Schließlich versucht „Tom“ genau das zu tun, was man von einem Roboter erwartet, er ist darauf programmiert, seinen „Besitzer“ glücklich zu machen. Aber dann wirft der Film eine grundsätzliche Frage auf: Ist das wirklich das, was der Mensch möchte? Einen perfekten Mechanismus, der alle Wünsche von den Augen abliest und nichts weiter als dem anderen gefallen will? Oder sucht man nicht gerade das Menschliche, das Unzulängliche, die unerfüllten Sehnsüchte, und, ja, die Probleme des anderen?
Der Film hat mich nachdenklich zurückgelassen und neu gelehrt, wie das Leben gemeistert werden will.
Der ehemalige Tübinger Theologie-Professor Hans-Joachim Eckstein hat das so beschrieben:
Schwerwiegende Entscheidungen fallen selten in leichten Zeiten,
und tiefgehende Veränderungen entstehen nicht durch oberflächliche Erfahrungen.
Bedeutende Entwicklungen werden kaum durch unbedeutende Begegnungen angeregt,
und persönliche Hilfe erfahren wir so gut wie nie in unpersönlichen Beziehungen.
Verständnis für die Schwachheit anderer erwächst nicht aus der eigenen Stärke, und wie man andere Menschen tröstet, wissen wir erst, wenn wir nicht nur getrost, sondern auch selbst getröstet sind.
Warum also sehnen wir uns nach einem leichten und unbeschwerten Leben, wenn das, was uns so wertvoll macht, in einem verletzlichen und tiefgründigen, in einem lebendig gehaltenen Leben liegt?

Dazu segne Sie Gott in diesem neuen Jahr.

Herzliche Grüße,
Carsten Buhr